QIGONG

QIGONG ist eine jahrhundertealte Methode zur Stärkung, Gesunderhaltung und Lenkung des QI. Die Übersetzung von „QI” mit „Lebensenergie” oder „vitale Energie” ist zwar heute üb­lich, aber eigentlich nicht ganz korrekt. Die Bedeutung des Begriffs ist viel umfassen­der und ist von der traditionellen chinesischen Weltanschauung und Philosophie, z.B. dem Daoismus, nicht zu trennen. QI bedeutet übersetzt Atem, Gas, Dampf, Hauch, Kraft, Lebens­energie.

GONG bedeutet soviel wie „methodische Arbeit”. QIGONG bedeutet demnach etwa Pflege des QI, entwickeln von Atem, Kraft und Lebensenergie.

QI bewegt sich im menschlichen Körper auf bestimmten Bahnen, den „Meridianen”, auf die sich auch das Akupunktursystem bezieht und in zusätzlichen „Kanälen”, die in den QIGONG – Prak­tiken verwendet werden. Vom Verlauf her sind diese Bahnen mit ihren Meridian-Punkten nicht bei jedem Individuum völlig identisch. Sie können im Detail leicht variieren.

Die Qi-Zentren werden DANTIAN genannt. In der Regel ist vom unteren, mittleren und oberen DANTIAN die Rede. Damit sind Körperstellen gemeint, die eine Art Sammelbecken für die Qi­ Energie sind. Als Übende konzentrieren wir uns vorwiegend, aber nicht hauptsächlich, auf das untere DANTIAN. Dieses wird im Körper-Zentrum zwischen Bauchnabel und Steißbein lokali­siert.

Um die Funktion des QI zu beschreiben, kann man Analogien herstellen und Modelle ausden­ken. Vom chinesischen Denken her ist es jedoch nicht wichtig, ja nicht einmal sinnvoll, QI zu konzeptionalisieren und zu fixieren, resp. zu wissen, was QI in einem wissenschaftlichen Sinne genau ist. Wichtig ist vielmehr, dass QI in verschiedener Weise erfahrbar ist und vor allem festzustellen, dass es wirkt.

In China erfreuen sich QIGONG-Praktiken noch immer grosser Beliebtheit, nachdem sie und ih­re Exponenten während der Kulturrevolution verfolgt und unterdrückt wurden. Millionen von Chinesen praktizieren auch heute noch tagtäglich ihre QIGONG-Übungen oder widmen sich ei­ner daraus hervorgegangenen Kampfkunst-Form. Es werden aber durch die sich verändernden Lebenspraktiken in China immer weniger Ausübende. Verschiedene Schulen und Meister ha­ben dutzende verschiedener QiGONG-Formen entwickelt, die jedoch alle auf demselben jahr­hundertealten Wissen basieren.

Mit den QIGONG-Übungen widmen wir uns verschiedenen Möglichkeiten, um QI wahrzunehmen, zu bewegen und zu sammeln. Die „offene” Wahrnehmungsfähigkeit ist entscheidend beim Praktizieren aller QIGONG-Übungen. Damit ist eine Wahrnehmungsweise gemeint, welche auf dem aufmerksamen „Geschehenlassenkönnen” beruht, ohne sofort zu beurteilen und zu kategorisieren.